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Was wir aus dem StarLadder i-League Invitational Shanghai lernen


Das StarLadder i-League Invitational Shanghai ist beendet und die Renegades konnten sich die Trophäe im Finale gegen die Polen von Virtus.pro sichern. Wir nehmen einen Blick zurück aufs Invitational und fassen zusammen, was wir aus dem Turnier in Shanghai mitnehmen können.

Die StarLadder lud vergangene Woche zum i-League Invitational in Shanghai, China ein. Das Teilnehmerfeld war gut bestückt, das Preisgeld ebenfalls. Lassen wir das Turnier noch einmal Revue passieren und nehmen positive, als auch negative Erfahrungen aus dem Turnier mit.

BO3-Gruppenphase setzt sich durch

Die StarLadder-Organisator haben erneut ein neues Konzept in der Gruppenphase beschlossen – die immer beliebter werdende Best-Of-Three (BO3)-Gruppenphase. Vorher spielte man in der StarLadder i-League StarSeries Season 3, die vor einem halben Jahr beendet wurde, eine Gruppenphase im Swiss-System aus, in Season 2 eine Gruppenphase im Best-Of-One (BO1)-Modus.
Der BO3-Gruppenmodus scheint langsam Form anzunehmen. So wurde das Gruppenformat ebenfalls beim EPICENTER 2017 in St. Petersburg angewandt. Doch warum genau, weiß man nicht so.

Sicherlich könnte man argumentieren, dass eine BO3-Gruppenphase den schwächeren Teams kleinere Chancen überlässt, einen „Upset“ durchzuführen bzw. zu überraschen – es ist kein Geheimnis, dass es auf 30 Runden in einem BO1 einfacher ist, als auf zwei oder gar drei Maps gegen ein eventuell viel stärkeres Team. Auf dem ersten Blick mag das auch plausibel und nachvollziehbar klingen, jedoch ist es so nicht. Wäre die EPICENTER 2017 beispielsweise im BO1-Gruppenmodus ausgetragen worden, so hätte FaZe ihr Decider-Spiel gegen Virtus.pro auch nicht verloren – man konnte auf Map 1 16:2 gegen die Polen gewinnen, verlor aber die darauffolgenden Maps.

Selbiges spiegelt sich auch im StarLadder i-League Invitational Shanghai. Zwar konnte am ersten Gruppentag kein Underdog im BO3-Spiel überraschen, allerdings zeigt sich anhand der Map-Ergebnisse, dass es mit einer BO1-Gruppenphase auch anders hätte ablaufen können. So konnten die im Vergleich schwächeren Teams TyLoo und Flash Gaming, beide aus China und somit Lokalmatadore, ihre erste Map relativ stabil (16:8 und 16:4) gegen jeweils HellRaisers und Virtus.pro gewinnen. Danach konnten beide Teams auf der zweiten Map den Sack nicht zumachen – ebenso wie auf der dritten Map.

Team Spirit galt als erster Überraschungs-Gewinner gegen TyLoo am zweiten Spieltag und kickte damit die Chinesen aus dem Turnier, obwohl diese die erste Map mit 5:16 gewinnen konnten, allerdings auf der zweiten Map nicht ganz ins Spiel gefunden haben und schlussendlich auf der dritten Map eine 12:3-Führung in der Overtime verspielt haben. Team Spirit kam die BO3-Gruppenphase wohl ganz gelegen, allerdings nicht HAVU Gaming. Die Finnen rund um den erst 15-jährigen Jere „sergej“ Salo gewannen die erste Map sensationell gut mit 16:1 gegen Flash Gaming, ehe man sich auf der zweiten Map einem Overtime-Krimi widmete und insgesamt 60 statt 30 Runden spielte – und verlor. In der dritten Map, wir kennen es von anderen Begegnungen, konnte HAVU das Spiel ebenfalls nicht für sich gewinnen und schied damit früh aus dem Turnier aus, trotz eindeutigem Gewinn auf der ersten Map.

Somit zeigt sich, dass eine BO3-Gruppenphase in erster Linie nicht unbedingt die Turnierfavoriten bevorzugt, sondern das Spiel – wie auch immer – auf Augenhöhe ist. Auch, wenn sich nicht abstreiten lässt, dass eine Partie wie z.B. Heroic gegen Team Spirit im Best-Of-1 anders aussehen hätte können.

Das Problem mit der Zeit

Mit der Unterüberschrift meinen wir nicht das Thema Zeitumstellung, die es letzten Sonntag gab, sondern eher die Verspätungen im Turnier-Ablauf und die zum Teil mangelnde Informationslage. Nahezu keines der Spiele, die auf unserer Turnierübersichtsseite stehen, wurden mit der dort angegebenen Uhrzeit gestartet. Mit Delays in Turnieren wird heutzutage zwar gerechnet, aber nicht, wenn ein Spiel, das auf 12 Uhr ausgelegt war, teilweise fast 3 Stunden später gespielt wird. Und die Probleme gingen schon am ersten Tag los.

Das erste Spiel startete schon mit einer Verzögerung von knapp 20 Minuten, konnte diese aber wieder aufholen, nachdem Map in Map zwei relativ schnell drübergefahren war. Eine Stunde Pause, um 6 Uhr sollten die HellRaisers gegen TyLoo spielen. Doch aufgrund einer allergischen Reaktion seitens BnTeT (TyLoo) wurde das Spiel zunächst bis auf weiteres – auf der StarLadder-Seite stand es auf 22:15 des selben Tages – verschoben. Ohne Informationslage wurde das Spiel Renegades gegen HAVU vorgeschoben und um 8:30 (statt 9:00 Uhr) gestartet. Um keine weiteren Verzögerungen im Turnierablauf zu bekommen, wurde das Spiel HellRaisers gegen TyLoo dann ohne Stream zeitgleich zu Virtus.pro gegen Flash Gaming gespielt.

Am zweiten Tag gab es ebenfalls Probleme im Zeitablauf. Doch keiner wollte so richtig einen informieren. Die Keyzeiten waren 3, 6, 9 und 12 Uhr, darauf waren die Matches geplant. Wann sie eigentlich losgingen: 3:30 Uhr, 8:00, 13:35 und 16:10 Uhr. Mehr als vier Stunden – gut, eine davon war dem extrem langen Match HAVU gegen Flash Gaming geschuldet – gab es Verzögerungen. Am vorletzten Tag sowie am Finaltag scheinen dann keine Probleme mehr aufzutreten und man hatte einen schönen Turnierablauf.

Gewinner und Verlierer des Turniers

In diesem Abschnitt möchte ich ein wenig über die Teams schreiben, wie sie ins Turnier gestiegen sind und wie sie abgeschnitten haben bzw. ob sie am Ende als Verlierer oder Gewinner gelten.

Renegades

Ganz klar ein Gewinner. Einige hatten zwar die Australier auf dem Schirm, dass sie es in die Playoffs zu schaffen, aber nur die wenigsten haben damit gerechnet, dass sie die Trophäe der StarLadder mitnehmen und parallel dazu Mannschaften wie die HellRaisers und Virtus.pro im Finale schlagen – und das, obwohl beide im Turnier ebenfalls geglänzt haben. Das Match in der Gruppenphase konnten die Renegades allerdings nicht für sich entscheiden.

Heroic und HellRaisers

Für mich sind beide Teams Gewinner. Beide konnten einiges an Erfahrungen mitnehmen. Die Gegner am ersten Spieltag – Team Spirit und TyLoo – konnte man gut schlagen, danach ging es gegeneinander. Hier sicherten die HellRaisers mit 16:13 und 16:8 sich den Sieg. Der EU-Mix stand bis dato also sicher in den Playoffs, Heroic musste über das Decider Gang – wieder gegen Team Spirit – spielen und konnte dieses, wie das erste Spiel, relativ einfach gewinnen.
Die Dänen spielten anschließend im Halbfinale gegen Virtus.pro und die HellRaisers gegen den späteren Gewinner aus Australien. Die Dänen haben es gut versucht in der 1. Map, doch danach sank scheinbar das Momentum. So verlor man mit 16:14 und 16:7 gegen die Polen. Die HellRaisers hatten es – etwas unerwartet – schwerer. Hier fand man erst in der 3. Map, nach einem 14:16 für HR und 16:11 für die Renegades, den zweiten Finalisten, der die HellRaisers mit 16:7 besiegte.
Im Spiel um Platz 3 scheinen die Dänen aus der Gruppenphase gelernt zu haben und machten das Spiel unglaublich spannend – 16:14 und 19:17 ging es am Ende für die HellRaisers aus. Eine Runde für die Dänen hätte das komplette Spiel entscheiden können.

Virtus.pro

Die Liste ist bewusst nicht nach Platz sortiert, sondern nach Gewinner und Verlierern und ich habe mich entschieden, sie letztendlich ganz knapp als Gewinner dastehen zu lassen – aber auch nur, weil sie im Finale standen. Das Turnier war für Virtus.pro – zumindest früher, in ihrer Hoch-Zeit – ein Klacks, heute sieht das alles etwas anders aus. Die Gegner waren teilweise einige viele Ränge unter ihnen und gerade durch die knappe Niederlage im EPICENTER-Finale dachten viele, dass die Polen genug Motivation und Momentum mitgebracht haben, um das Turnier „locker flockig“ gewinnen zu können. Und hier liegt das Problem: Eigentlich hätten sie das gewinnen „müssen“, wenn man vor einer Woche Größen wie den FaZe Clan, Gambit und G2 Esports aus dem Turnier haut und im Finale gaaanz knapp scheitert. Eine Woche später spielt man gegen (auf dem Papier) teilweise viel schwächere Gegner, kann da auch die Pflichtsiege mitnehmen, gewinnt in der Gruppenphase gegen die Renegades und geben den Sieg im Finale wieder her, nachdem die Australier aufgeblüht sind. Schade, da hätte mehr drin sein müssen. Nichtsdestotrotz ein Gewinner in diesem Turnier, da es für die Polen nun (hoffentlich) wieder bergauf geht!

TyLoo und Flash Gaming

Das asiatische Lineup des Turniers hatte es sowieso schon schwer und war überhaupt nicht in der Favoritenrolle, geschweige denn hatten sie Chancen für einen Einzug ins Finale. TyLoo war sowieso etwas geschwächt, als man kurz vor dem ersten Spiel die Botschaft erhielt, dass BnTet einen allergischen Anfall hatte. Dennoch spielten sie gut gegen die HellRaisers, konnten aber gegen einen machbaren Gegner im Loser’s Match (Team Spirit) nicht gewinnen und stiegen somit vorzeitig als erste Mannschaft des Turniers aus. Auch Flash Gaming hatte einen relativ guten Start und konnte gegen die Favoriten von Virtus.pro die erste Map schon fast „locker“ gewinnen, die zweite und dritte Map endete unfassbar knapp (19:17 und 16:13 für VP) – hier hätte man ein erstes Ausrufezeichen setzen können. Das Loser’s Match konnte Flash Gaming, nachdem sie 16:1 gegen HAVU Gaming in Map 1 verloren, dann aber noch drehen und gewinnen, somit stand man im Decider Match gegen die späteren Gewinner und ging hier unter. Alles in allem ein gutes Turnier für die asiatschen Teams, die man auch ruhig in den Gewinner-Bereich stellen hätte können, auch, wenn es mit den Playoffs nichts wurde.

Team Spirit und HAVU Gaming

Zu guter Letzt haben wir die Platz 3 aus Gruppe A und Platz 4 aus Gruppe B. Team Spirit, vom ersten Match gegen Heroic geschwächt, ging im zweiten Match gegen TyLoo gut davon, verlor aber das Decider Match erneut gegen die HellRaisers. Hier hätte man die Fehler aus dem ersten Spiel verbessern können, dann wäre auch beim Heroic-Match eine dritte Map und ein eventueller Sieg drin gewesen. HAVU Gaming hatte ihren ersten Erfolg mit einer großen LAN, nachdem die SpaceSoldiers aufgrund verschiedener Probleme nicht antreten konnten. Auf dem Turnier schied man – wie erwartet – in der Gruppenphase aus, konnte allerdings im ersten Match für eine knappe Partie gegen die Renegades sorgen und gewann gegen Flash Gaming die erste Map, ehe man die anderen beiden leider verlierte. Das sollten aber die ersten Erfahrungen mit größeren LANs sein, wenn sie weiter üben, dann ist noch große Luft nach oben!

Insgesamt war es ein tolles Turnier mit vielen schönen Runden Counter-Strike, die stundenlangen Pausen vor und nach den Spielen haben mit der Zeit allerdings sehr genervt. Wir freuen uns auf das nächste Turnier der StarLadder!


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